Rezensionen

Pressestimmen

Friedrichshafen Kultur
Reife Leistung eines jungen Pianisten

Mit mehreren Preisen bei renommierten Klavierwettbewerben ist der 1982 in Attendorn geborene Gerhard Vielhaber ausgezeichnet worden, der im Kiesel ein abwechslungsreiches, spannungsvolles Programm in weit ausgereiftem Spiel bot.
Mit vier Stücken aus Debussys Préludes begann sein konzentriertes Recital. In nuancenreichem und fast geheimnisvoll wirkendem Anschlag begann er „Danseuses de Delphes“ als surrealistische Vision der Antike, wobei sich die farbigen Akkorde zu weichen Klangfolgen verbanden. Feinste Klanggespinste von schnell dahinfließenden Sextolen mit tiefer zitiertem Motiv suggerierten in der Leichtigkeit der Artikulation Naturidylle bei „Le vent dans la plaine“, wogegen der Pianist die raffinierten Klänge des folgenden Präludiums sensibel umsetzte und mit „Les collines d'Anacapri“ italienische Erinnerungen in spritzigem Figurenwerk heraufbeschwor. [...] Einen besonderen Akzent erhielt die Matinée dadurch, dass Vielhaber den bei uns kaum bekannten tschechischen Komponisten Viktor Kalabis (1923-2006) mit zwei Sätzen aus dessen achtteiligem Zyklus „Akzente“ op. 23 vorstellte… Als brillantes Konzertstück gestaltete Vielhaber „Traumes Wirren“ bei fortwährendem Tongeglitzer der schnellen Figuren und effektvollen Akkordbrechungen. Freud und Leid spiegelte sich in „Ende vom Lied“, wo der Interpret aber doch Schumanns Spielanweisung „Mit viel Humor“ befolgte.

Franz Josef Lay | suedkurier, 13.10.2009


Große Ruhe paart sich mit vitaler Kraft

FRIEDRICHSHAFEN - Mit dem Konzert des 27-jährigen hochsensiblen Pianisten Gerhard Vielhaber ist am Sonntagmorgen die Reihe "Earthquake - Konzerte mit jungen Künstlern" im Kiesel in die neue Spielzeit gegangen. Zerrissenheit und Klangzauber bestimmten die Klaviermatinee.
[...] Und wieder ist jetzt die große Ruhe des ernsthaften jungen Künstlers aufgefallen, die sich mit vitaler Kraft paart. [...]
Welch ein Kontrast zur folgenden Beethoven-Sonate D-Dur op. 10,3, die der Pianist in all ihrer Zerrissenheit erlebbar macht. Hell und vital wirbelt der erste Satz in frohem Tanz auf den Tasten dahin. Abgrundtiefer Schmerz, ein Aufbäumen des ertaubenden Komponisten gegen das Schicksal und das schwere Ringen um Trost prägen das düstere Largo, während in den folgenden Sätzen eine verhaltene Heiterkeit, ein wahrer Klangzauber zurückkehrt. [...]
Mit ruhigem Leuchten taucht Gerhard Vielhaber zuletzt in Robert Schumanns Fantasiestücke op. 12 ein. Sein delikater Anschlag schildert leise, verhaltene Zerrissenheit in der Frage "Warum?", tanzt koboldhaft zu den "Grillen", brodelt untergründig beim Stück "In der Nacht" und lässt aufwühlende Träume zerfließen.

Schwäbische Zeitung | 13.10.2009


[...] Bravorufe für Pianist Gerhard Vielhaber und die Philharmonie mit Thomas Mandl [...]

Bad Reichenhaller Tagblatt | 17.03.2009


Rauschende Läufe stehen neben stillen, fast entrückten Passagen, majestätische Klänge neben gehämmerter Akkordik, Steigerungen und extremem Umfang. So entstand [mit Busonis Übertragung des 5. Satzes der d-Moll-Partita BWV 1004] ein großartiges Klavierstück, in dem Bachs Chaconne immer wieder durchscheint. Vielhaber konnte hier bereits seine ganze Virtuosität einsetzen und Gespür für feine Nuancen, für das in Noten nicht Auszudrückende zeigen.
Ähnlich vielseitig fordern Schumanns Fantasiestücke op. 12 den Pianisten. In ihnen lebt die Liebe zu Clara und zugleich die Fantastik von Schumanns Lieblingsdichter E.T.A. Hoffmann, des Dichters der "Fantasiestücke in Callots Manier". [...] Vielhaber verwirklichte in seiner Interpretation das Innige wie das Leidenschaftliche. Ruhiges Verweilen und Nachsinnen standen geradezu explosiven Ausbrüchen gegenüber.

Johannes Hasenkamp | Westfälische Nachrichten, 27.3.2007


Alexander Skrjabins "Sonate Nr. 3 fis-Moll op. 23" ist so ein Beispiel, an dem weniger sensible Pianisten ihr Können in den ersten Takten des heroischen Kopfsatzes verschleudern würden. Vielhaber hingegen verstand es, mit dem dichten Spiel einer souveränen Anschlagtechnik das Hauptthema – Skrjabins "freie wilde Seele" – zwar dramatisch aber kontrolliert bis zum letzten Ende immer wieder neue Spannung und Größe zu verleihen. Im lyrischen Andante konnte der aufmerksame Zuhörer das überragende Talent Vielhabers für melodiös anspruchsvolle Partien erleben. Schmucklos mag das erste Thema des Allegro giusto aus Schuberts "Sonate a-Moll D 784" ja auf dem Notenpapier zunächst sein, aber ein Könner wie Vielhaber färbte es mit einer unverwechselbar markanten Düsternis und Tiefe, die dem Werk bis zum letzten Ton durch alle Sätze hindurch immanent sein sollten.

Westfalenpost, 01.11.2005


Nach der klaren und akzentuierten Darbietung von Schuberts ernster und überwiegend dunkel gefärbter "Sonate in a-Moll D 784" kam Bach an die Reihe: "Präludium und Fuge in c-Moll" aus dem "Wohl-temperierten Klavier" bestachen durch reduzierte und schlichte Anmut. Die Transparenz der einzelnen Stimmen erhielt Vielhaber auch während der Fuge, die er mit kontinuierlich zunehmender Intensität behandelte. Das Aufsehen erregende Glanzstück der Veranstaltung war zweifellos Beethovens "Sonate in c-Moll op. 111": Hier fand der Pianist Gelegenheit, die ganze Bandbreite seines Könnens zur Geltung zu bringen. Vielhabers Umsetzung der halsbrecherischen Klangkaskaden, der bedrohlichen Tiefe und der unwirklich-zerbrechlichen, beruhigteren Passagen war direkt, eindringlich und fein nuanciert.

Bianca Stücker | Westfälischer Anzeiger Hamm, 09.01.2006


Wenn ein Klavierspieler sich traut, César Francks "Prélude, Choral und Fugue" aufzuführen, muss er sich seiner Sache sehr sicher sein. Zwar entbehrt Francks Anknüpfung an überlieferte Formen jeder Pedanterie, die Komposition lebt jedoch ganz aus einem inneren religiösen Gefühl. Vielhaber gelang es, bis in einzelne Facetten den inneren Kosmos des großen Werkes überzeugend zu entfalten.

Dietmar Schettel | Westfälische Rundschau Olpe, 01.11.2005


Wenn Beethovens späte Klaviersonaten zum Prüfstein eines Pianisten geworden sind, so trifft dies auf die letzte, op. 111, im Besonderen zu. Gerhard Vielhaber setzte harte Hammerschläge neben allerfeinst ausgelotete Lyrismen, leidenschaftliche Aufbrüche neben unter die Haut gehende Nuancen bei der "Arietta", atemberaubendes Laufwerk neben spirituelle Durchdringung.

Pirmasenser Zeitung, 21.02.2005


In der Romanze, die ein zweitaktiges klagendes Motiv sechsmal auf verschiedener Tonstufe wiederholt, läßt Vielhaber Töne in seliger Verträumtheit zum Himmel schweben, um sie von dort im Scherzino als kleine bunte Perlen übermütig wieder auf die Erde purzeln zu lassen. Das typisch Schumannsche Finale endlich treibt den jungen Künstler zu atemloser, sich stetig steigernder Beschleunigung an. Deutlich wird auch hier die ungewöhnliche Leichtigkeit, mit der Vielhaber an anschlagstechnische Details herangeht. Seine zehn Finger scheinen nur über die Tasten zu huschen und haften doch am Klangkern.

Gabi Rieger | Südkurier Stockach, 02.10.2006

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